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Die Geschichte des Schlosses

 
Der Vorgänger des Schlosses war eine befestigte Holzburg, die wahrscheinlich Ende des 10. Jahrhunderts als Stützpunkt eines böhmischen Fürsten zur Verwaltung der Umgebung, der sog. Provinz Dìèín errichtet worden war. Zum ersten Mal schriftlich erwähnt wurden die Provinz im Jahre 993 und die eigentliche Burganlage im Jahre 1128. Diese ursprüngliche Palisadenburg wurde dann im 13. Jh. zu einer königlichen steinernen Burg umgebaut, die in etwa um 1305 unter unklaren Umständen in die Hände des mächtigen Geschlechtes der Wartenbergs gelangte.

Rudolf von Bünau Das genaue Aussehen der einstigen mittelalterlichen Burg kennen wir nicht. Wir wissen nur, dass sich die Anlage aus zwei Komplexen zusammensetzte – aus der oberen (hinteren) und der unteren (vorderen) Burg, die beide im Grunde unabhängig voneinander fungierten. Diese Aufteilung blieb bis Ende des 18. Jahrhunderts erhalten und änderte sich auch nicht, nachdem die Burg nach der Erstürmung und Niederbrennung 1444 wieder aufgebaut wurde. Nach den zahlreichen späteren Umbauten sind von der mittelalterlichen Burg nur wenige kleinere Frag­mente erhalten geblieben. Zu wesentli­cheren Veränderungen kam es dann in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts, als sich das Schloss im Besitz des sächsischen Geschlechts der Ritter zu Bünau befand. Die ließen die untere Burg mit der Zeit zu einem Renaissance-Schloss umbauten. Damals entstand auch die großzügige malerische Ausgestaltung des Festsaals - Rudolf von Bünau ließ 22 Mit­glieder seines Geschlechtes in Lebensgröße abbilden. Leider wurden diese Fresken bei Bauarbeiten Ende des 18. Jahrhunderts vernichtet, aber zum Glück entdeckte man unlängst in den Sammlungen des Nationalmuseums ihre Kopien aus dem Jahre 1775.

Das heutige Aussehen des Schlosses verdanken wir dem Grafengeschlecht der Thun-Hohenstein, denen die Herr­schaft Dìèín von 1628–1932 gehörte. Die Thuns stammten ursprünglich aus Südtirol und dienten sich mit der Zeit zu einem führenden Adelsgeschlecht der Habsburger Monarchie hoch. Vertreter der Familie nahmen regelmäßig wichtige Ämter in Politik und Kirche ein. Leo Thun beispielsweise war im 19. Jahrhundert Minister für Kultur und Lehre, sein Neffe, Franz Thun, übte zweimal (1889–1896 und 1911–1915) das Amt des Gouverneurs in Böhmen aus und war 1898–1899 sogar Ministerpräsident der österreichischen Regierung und gleichzeitig Innen­minister. Für seine Verdienste wurde er 1911 in den Fürstenstand erhoben, der seither immer an den erstgebo­renen Sohn vererbt wird.

Maximilinan von Thun-Hohenstein Die Thuns nahmen zwei grundlegende und umfassende Eingriffe in das Schloss vor. Der erste, der Umbau im Stil des Hochbarock, erfolgte in den letzten drei Jahrzehnten des 17. Jahrhunderts auf Veranlassung von Maximilian Thun, dem kaiser­lichen Gesandten und Diplomaten. Er wollte damit vor allem die Repräsentationsfunktion seines Besitzes stär­ken, um den Reichtum und die einflussreiche Stellung des Geschlechtes gebührend zu demonstrieren. Haupt­achse der Komposition des gesamten Projektes war der neue Zufahrtsweg, die sog. „Lange Fahrt“ („Dlouhá jízda“), die zum oberen Tor vor dem vollkommen umgebauten Eingangsflügel führt. Entlang diesem Weg ließ er symmetrisch auf der einen Seite einen Ziergarten (heute Rosengarten) und auf der anderen Seite ein Reitareal anlegen. Unten in der Stadt, praktisch am Fuß des Schlossbergs, ließen Maximilian und sein Bruder Johann Ernst die Schlosskirche „Erhöhung des hl. Kreuzes“ bauen. Wer der Architekt dieser außerordentlich wertvollen Bau­werke war, ließ sich leider bis auf den heutigen Tag nicht ermitteln.

Der zweite und letzte Umbau des Schlosses erfolgte in den Jahren 1786–1803. Mit seiner Durchführung war der Architekt Jan Václav Kosch aus Dìèín betraut, der sich entschloss, aus der bisher so uneinheitlichen Anlage ein kompaktes Ensemble zu machen. Deshalb ließ er die älteren gotischen und Renaissance-Paläste abreißen, gab allen Gebäuden die gleiche Höhe und versah sie mit einer einheitlichen Fassade. Auf der Seite zum Fluss entstand als neue Dominant ein schlanker Uhrturm. Das Schloss bekam dabei die barock-klassizistische Aussehen, wie es bis heute erhalten geblieben ist.

Hrabì Franz Anton von Thun-Hohenstein Das umgebaute Schloss entwickelte sich im Laufe des 19. Jahrhunderts zu einem bedeutenden Zentrum des kulturellen und politischen Lebens. Dank ihrer gesellschaftlichen Stellung konnten die Thuns eine ganze Reihe prominenter Gäste auf dem Schloss begrüßen. Im Jahre 1854 fand hier beispielsweise ein diplomatisches Treffen der Landes­herren von Österreich (Franz Josef I.), Preußen (Friedrich Wilhelm IV.) und Sachsen (Friedrich August II.) statt. Häufiger Gast auf dem Schloss war auch der österreichisch-ungarische Thronfolger, Erzherzog Franz Ferdinand d'Este, der mit den Thuns auf Schloss Dìèín sogar verwandt war. Deshalb wurden nach dem Attentat von Sara­jevo seine verwaisten Kinder Max, Ernst und Sophie unter anderem auch auf Schloss in Dìèín bei ihrer Tante Marie, geborene Chotková, erzogen.

Das Geschlecht der Thuns unterhielt aber auch mit vielen führenden Wissenschaftlern und Künstlern Kontakte, beispiels­weise mit Josef Dobrovský, František Palacký, der Malerfamilie Mánes und anderen. Der wohl bedeu­tendste Besucher aber war sicher der Komponist Fryderyk Chopin, der im September 1835 auf dem Schloss weilte. Eine bleibende Erinnerung an seinen Aufenthalt ist der Walzer As-dur, Op. 34, Nr. 1, bekannt als „Tetschner Walzer“, den Chopin hier zum ersten Mal spielte und dann der Komtesse Josefine Thun widmete. Im Jahre 1932 mussten die Thuns das Schloss aus finanziellen Gründen an den tschechoslowakischen Staat verkau­fen, der es zu einer Kaserne umrüsten ließ. Nach und nach wechselten sich in seinen Mauern die tschechoslowa­kische, deut­sche, wieder die tschechoslowakische und in den Jahren 1968–1991 die sowjetische Armee ab. 1991 wurde das Schloss in den Besitz der Stadt Dìèín übertragen, die dann auch mit der Sanierung des herunter­gekommenen Objektes begann.

Zurzeit ist in etwa die Hälfte des Schlosskerns saniert. Im Ostflügel befindet sich eine Zweigstelle des Regional­museums Dìèín und der Nordflügel wird vom Staatlichen Kreisarchiv genutzt.

In den instand gesetzten Räumen des Westflügels finden Einzel- und Gruppenführungen, Trauungen, Konzerte, Ausstellungen und andere Kulturveranstaltungen statt. Der Schlosshof ist das ganze Jahr über Schauplatz der verschiedensten Festlichkeiten. Am bedeutendsten sind der alljährlich im Mai veranstalteten Historische Jahrmarkt und das Weinfest im Oktober.

Im Prozess der Erschließung und Propagierung des Schlosses engagiert sich seit dem Jahre 2000 ganz erheblich die Bürgervereinigung Schlossinitiative Dìèín (Iniciativa pro dìèínský zámek – IDZ), der es gelungen ist, regelmä­ßige Führungen durch den Rosengarten und das Schloss einzuführen. Den Bekanntheitsgrad des Schlosses unter­stützt sie durch eine ganze Reihe Werbematerial und die erfolgreiche Realisierung des Projektes „Die Ritter zu Bünau in Böhmen und Sachsen“ (Rytíøi z Bünau v Èechách a v Sasku) in Form einer Broschüre.

Die Sanierungsarbeiten gehen gegenwärtig mit der Rekultivierung der Schlossgärten und des Parks weiter, lang­sam beginnen auch die Arbeiten am noch unrenovierten Südflügel. Bereits heute gehört das Schloss Dìèín zu den meistbesuchten Baudenkmälern des Bezirks Ústí nad Labem.